Der Braunbär
Der
Braunbär (Ursus arctos) hat von allen Bären das größte Verbreitungsgebiet: Es
erstreckt sich über ganz Europa, Nord- und Mittelasien sowie das nordwestliche
Nordamerika. Erwachsene Individuen weisen - von Ausnahmen abgesehen - eine
Kopfrumpflänge von zwei bis drei Metern, eine Schulterhöhe von 90 bis 150
Zentimetern und ein Gewicht zwischen 200 und 500 Kilogramm auf, wobei die Männchen
deutlich kräftiger gebaut sind als die Weibchen und die Bären des Nordens
erheblich größer sind als die des Südens. Von Natur aus gehört der Braunbär zur großen Sippe der Raubtiere. Im Gegensatz
zu den meisten anderen Raubtieren ist er aber kein echter Fleischesser, sondern
hat sich im Lauf seiner Stammesgeschichte zu einem ausgesprochenen Allesesser
entwickelt. Er nimmt so ziemlich alles zu sich, was er auf seinen Streifzügen
antrifft - von Kräutern, Beeren, Nüssen, Knollen und Wurzeln über Ameisen,
Heuschrecken, Vogeleier und Bienenhonig bis hin zu Fröschen, Mäusen und Fischen.
Selbst vor Aas und menschlichen Abfällen macht er nicht Halt.
Von Weibchen mit Jungen abgesehen führt der Braunbär ein einzelgängerisches
Leben: Jeder erwachsene Bär lebt für sich allein in einem festen Wohngebiet, in
welchem er keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen duldet. Die Größe des
Reviers schwankt im allgemeinen - je nach dem lokalen Nahrungsangebot - zwischen
etwa fünfzig und fünfhundert Quadratkilometern.
Die kalte und futterarme Jahreszeit verschläft der Braunbär in einem schützenden
Lager - etwa in einer Felsspalte, unter einem Wurzelstock oder in einer selbst
gegrabenen Erdhöhle. Im Schutz dieses Winterlagers bringt die Bärin im Januar
oder Februar ihre zumeist ein bis drei Jungen zur Welt. Mit einer Länge von rund
30 Zentimetern und einem Gewicht um 400 Gramm sind sie bei der Geburt nur wenig
größer als Meerschweinchen. Sie sind spärlich behaart, blind und taub und daher
vollständig auf die Betreuung durch die Mutter sowie den Schutz der Höhle vor
Wind und Wetter angewiesen.
Dank des hohen Fettgehalts der mütterlichen Milch wachsen die Jungbären aber
rasch heran. Schon im April oder Mai verlassen sie zusammen mit ihrer Mutter das
Winterquartier. Sie sind dann etwa so groß wie halbwüchsige Schäferhunde und
genauso verspielt. Die Jungen werden noch rund zwei Jahre lang von der Bärin
betreut und lernen in dieser Zeit von ihr, wo sie wann welche Nahrung finden
können. Danach ziehen sie auf eigene Faust los. Ihre Lebenserwartung in freier
Wildbahn liegt bei ungefähr zwanzig Jahren.
Der
Braunbär wird von alters her vom Menschen verfolgt - teils seines Fells,
Fleischs und Fetts wegen, teils aber auch, weil er als Schädling und
gefährlicher Räuber gilt. Tatsächlich kann der Braunbär in der Nähe menschlicher
Siedlungen zum Problem werden: Gern macht er sich über Bienenstöcke her;
mitunter tötet er Kühe, Schafe und Pferde; und auch für den Menschen kann das
kräftige Raubtier zur Gefahr werden, besonders wenn es sich bedrängt fühlt oder
sehr hungrig ist.
Erfreulicherweise betrachtet man den Braunbären heute vielerorts in Europa nicht
mehr als Schädling, sondern gesteht ihm seinen Platz im Wald zu.
Erwachsene Bären leben alleine. Die einzigen Gelegenheiten, wenn Bären mit
einander zusammen sind, ist die Ranzzeit und die Zeit wenn die Jungbären ihrer
Mutter folgen. Der Bär verteidigt nicht sein Revier und die Reviere mehrerer
Bären können sich überlappen. In Nordschweden sind die Bärenreviere größer als
länger nach Süden. Dieses hat wahrscheinlich seinen Grund darin, dass die
Fraßzugang im Norden geringer ist. Allgemein haben männliche Bären die größten
Reviere, während Bärinnen mit Jungen sich über kleinere Bezirke bewegen. In
Nordschweden beträgt ein Revier einer Bärin etwa 500 Quadratkilometer. Die
Reviergrösse der männlichen Bären ist wahrscheinlich davon abhängig wie viele
Bärinnen sich in der Nähe aufhalten. Je weniger Bärinnen, je größer wird das
Revier. In Schweden variiert die Reviergrösse der männlichen Bären zwischen 1
400 und 8 000 Quadratkilometer. Der Bär ist sowohl tag- als nachtaktiv; während
heißer Sommertage bleibt er aber hauptsächlich still bis es abends kühler wird.
Der skandinavische Bärenbestand beträgt etwa 1 000 Individuen und kommt
hauptsächlich in vier Kerngebieten vor. (Zwei Gebiete in der Provinz Norrbotten,
eines um die Grenze zwischen den Provinzen Västerbotten und Jämtland und eines
um die Grenze zwischen den Provinzen Jämtland und Dalarna). Die größte
Bestandsdichte hat Norddalarna mit 20-25 Bären pro 1 000 Quadratkilometer. In
Norwegen hat man etwa 50 Bären. Dieser Bestand kann als einen Grenzbestand vom
größeren Schwedischen Bestand angesehen werden. Während der letzten 60 Jahre hat
die skandinavische Bärenpopulation dreifach zugenommen.
So hat sich sein Bestand beispielsweise in Schweden, wo er wirksam geschützt
ist, von den früher erlittenen Verlusten recht gut zu erholen vermocht.
Andererseits erwachsen den verbleibenden Braunbären- Beständen Europas heute
nicht zu unterschätzende Gefahren durch das Vordringen der Erholung suchenden
menschlichen Bevölkerung in die bald hintersten Winkel zuvor unberührter
Landschaften. So wurden beispielsweise in Norwegen nachweislich Bärenbestände
durch den Bau von Ferienhäusern aus ihrer angestammten Heimat verdrängt. Durch
die Erschließung abgelegener Regionen werden die einst zusammenhängenden
Bärenbestände auch immer weiter zersplittert. Mancherorts sind sie heute so
klein und isoliert, dass sie - allen Schutzbestrebungen zum Trotz - langfristig
wohl keine wirkliche Überlebenschance haben Allgemeines
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