•••Tierwelt/ Biber•••

••• Der Biber

Man muss sich nur gut auskennen im Biberrevier und noch eine große Portion Glück haben, um seine Bewohner einmal sehen zu können. Besteht doch auch Grund zur Vorsicht, denn der Mensch hat dem Biber in den letzten Jahrhunderten das Leben nicht gerade leicht gemacht.

Geschichte:
Um 1800 galt der Biber in Schweden als ausgestorben. Kurzerhand zum Fisch gekürt, bereicherte er den mönchischen Speisezettel in der Fastenzeit. Aber auch sonst war sein zartes Fleisch begehrt und besonders der Schwanz eine Delikatesse. Sein weiches Fell hielt warm und war Statussymbol zugleich. Da vor allem bei Begüterten die Nachfrage groß war und sich damit viel Geld machen ließ, konnte nie genug von diesen Pelzen beschafft werden. Heute ist er wieder in ganz Schweden zu finden. 1980 wurde die Zahl der in Schweden lebenden Biber auf 40.000 Tiere geschätzt.

Aussehen:
Der Biber ist das größte europäische Nagetier. Sein Körper wirkt plump und gedrungen. Einschließlich des Schwanzes bringt es der Biber auf eine Gesamtlänge von bis zu 140 cm. Der unbehaarte, flache und mit hornplatten bedeckte Schwanz ist etwa 30 cm lang. Er dient als Ruder, sowie als Fettdepot und zur Regulierung der Körpertemperatur. Die kleine Augen sind braun und werden unter Wasser durch ein hauchdünnes Häutchen geschützt. Seine Ohren und die Nase sind ebenfalls verschließbar. Er besitzt einen ausgezeichneten Geruchssinn, ein sehr gutes Gehör und einen guten Tastsinn. Das braune bis braun- schwarze Fell (Bauch ca.23.000 Haare cm2, Rücken ca.12.000 Haare cm2) wird mit einem öligen Drüsensekret eingefettet. Die Vorderpfoten besitzen je 5 relativ kurze Zehen, aber lange Krallen zum Greifen und scharren. Die Hinterpfoten haben dagegen längere Zehen und kurze Krallen. Die mit einer orangeroten harten Schmelzschicht versehenen paarigen Nagezähne wachsen ständig nach. Seine Backenzähne hingegen unterliegen der Abnutzung. Weibchen und Männchen sind in der Regel äußerlich nicht zu unterscheiden. Das Weichen kann man zur Zeit der Jungtieraufzucht (bei aufgerichteter Körperhaltung) an der Zitzen auf der Bauchseite erkennen.

Lebensraum:
Als Lebensraum bevorzugt der Biber langsam fließende oder stehende Gewässer mit reichlichem Uferbewuchs oder ausgedehnte Auenwälder. Doch akzeptiert er auch andere Gewässer, und versucht sie seinen Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Ansiedelung von Bibern sind: ausreichend Wasserfläche und -tiefe, geeignete Ufer für den Wohnungsbau, ausreichende Nahrungsgrundlagen und keine unmittelbare Störung seiner Aktivitäten. Auf die Anwesenheit eines Bibers deuten Spuren hin, z.B.: die in einer Höhe von 50 cm mit deutlichen Abdrücken seiner Nagezähnen gefällten Bäume, Fressplätze am Ufer, ein Biberdamm oder eine Biberburg. Der Biber ist hauptsächlich in der Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Als guter Schwimmer und Taucher bleibt er in der Regel 2- 3 Minuten unter Wasser. Durch eine effiziente Ausnutzung seines eingeatmeten Sauerstoffs kann er sogar bis zu 15 Minuten tauchen. Die Biber leben in einem Familienverband, dem auch 2 Generationen Jungtiere angehören können. Biberpaare bleiben ein Leben lang zusammen. Ist der Lebensraum groß genug, kann eine Biberkolonie auch aus mehreren Familien bestehen. Ein Biberrevier ist abhängig von der Gewässergröße und der Lebensraumqualität. In der Regel an Flüssen ca. 3000 Meter und an Seen ca. 100 Meter. Die Reviere werden in Revierkämpfen verteidigt und oft über Generationen weiter vererbt.
Der Lebensraum des Bibers ist das Wasser. Um vernünftig schwimmen oder tauchen zu können, benötigen sie eine Wassertiefe von rund 50 cm. Ist der Wasserstand in ihrem Revier zu niedrig, beginnen sie mit dem Bau eines Dammes, um den Wasserstand auf ein für sie akzeptables Maß anzuheben. Welche Faktoren den Bau von Dämmen auslösen ist noch unklar. Man vermutet, das rauschendes Wasser dafür verantwortlich ist. Aber: Biber, die in Flüssen leben, in denen das Wasser ständig rauscht, bauen auch nur dann, wenn es wirklich erforderlich ist. Es scheint vielmehr, als würden die Biber den aktuellen Wasserstand mit ihren persönlichem Wasserstandsbedürfnis "verrechnen". Ist das Ergebnis negativ, wird gebaut. Ist das Ergebnis positiv, wird nicht gebaut. Lange war man der Meinung, dass nur Biberfamilien Dämme bauen würden. In zwischen weiß man, dass auch Einzeltiere bauen, hin und wieder aktiver als so manche Biberfamilie. 

 

 

Wohnraum:
Die meisten Biber bauen keine Burgen sondern wohnen in Erdbauen in der Uferböschung. Der oder die Eingänge liegen unter der Wasseroberfläche. Wenn der Wasserstand z.B. durch den Bau eines Biberdamms steigt, dann graben sich die Biber in der Uferböschung weiter nach oben. Schließlich soll das "Wohnzimmer" trocken bleiben. Steigt der Wasserstand weiter, wird weiter nach oben gegraben. Irgendwann durchbricht die "Wohnzimmerdecke" dann den Erdboden. Dieses Loch wird mit Hölzern und Schlamm verschlossen. Damit ist die Basis für eine Biberburg gelegt. So geht es dann immer weiter. Steigt der Wasserstand, wird das Dach erhöht und von unten eine neue Wohnkammer ins Dachgeschoss genagt. Unter Umständen geht das soweit, bis eine große Biberburg von mehreren Metern Durchmesser und mehreren Metern Höhe entstanden ist. Schließlich ist der Wasserstand soweit gestiegen, dass die Biberburg irgendwann mitten in einem Biberteich steht. Die Biberburg ist also praktisch nichts anderes als ein künstliches Ufer.

Nahrung:
Der Biber gehört zu den Pflanzenfressern. Das Angebot an Pflanzen richtet sich je nach Jahreszeit im und am Wasser. Im Sommer ernährt er sich vorwiegend von Kräuter, Seerosen und auch Feldfrüchten. Im Winter hingegen vorwiegend von Zweigen und Rinde, die er als Wintervorräte in Nahrungsflößen vor den Wohnbauten unter Wasser  deponiert. Auf seinem Speiseplan stehen 150-300 verschiedene Pflanzenarten. Mit Vorliebe verspeist er Pappeln, Weiden und Seerosen, aber auch andere weiche Hölzer wie Erle, Birke, Ulme, Traubenkirsche. Ein erwachsenes Tier braucht pro Jahr etwa 7,5 cbm Hölzer und Pflanzen als Nahrungsgrundlage, 

Ökologische Rolle:
Die Biber fällen Laubbäume und begünstigen so das Wachstum des Waldes. Waldtiere, Vögel und Insekten werden diesen neu geschaffenen Lebensraum für sich erschließen. Die Aufstauungen und Überschwemmungen der Flüsse vergrößern den Lebensraum der im und am Wasser lebenden Tiere. So ist die Umgestaltung dieser Landschaft aus ökologischer Sicht sicher eine wichtige Funktion.

 

 

 

www.soenkes-schwedeseite.de update: Donnerstag, 09. April 2009/ © Sönkes- Schwedenseite 2006