Der Luchs
Der
Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist ein mittelgroßes Mitglied der Katzenfamilie
(Felidae): Ausgewachsene Männchen wiegen durchschnittlich etwa 22 Kilogramm, die
Weibchen ungefähr 18. Die Kopfrumpflänge der Stummelschwänzigen Katzen bemisst
sich gewöhnlich auf 80 bis 110 Zentimeter, ihre Schulterhöhe auf etwa 65
Zentimeter. Damit ist der Eurasische Luchs deutlich größer als die Europäische
Wildkatze (Felis silvestris silvestris) und auch als der auf der Iberischen
Halbinsel heimische Pardelluchs (Lynx pardina) - und ist also die größte Katze
Europas.
Nichtsdestotrotz wurde er bei uns in Mitteleuropa vom Menschen lange Zeit
gnadenlos bejagt. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt: weil er manchmal
ein Schaf tötete, weil sich aus seinem dichten Fell prächtige Wintermäntel
fertigen ließen, weil er den Jägern die Rehe «wegstahl», und weil viele Menschen
einfach Angst vor Raubtieren haben. So kam es, dass der Luchs im 19. Jahrhundert
fast überall im zentralen Europa ausgerottet war.
Die Einstellung des Menschen dem Eurasischen Luchs gegenüber hat sich in
jüngerer Zeit zum Glück gewandelt. Mehr und mehr setzt sich die Ansicht durch,
dass auf unserem Planeten genügend Platz sowohl für den Menschen als auch für
den Luchs ist. Diesem Umdenken - das die Naturschützer große Überzeugungsarbeit
gekostet hat - ist es zu verdanken, dass die elegante Katze in den letzten drei
Jahrzehnten in Österreich, Frankreich und der Schweiz erfolgreich wieder
eingebürgert werden und in Deutschland von sich aus wieder einwandern konnte.
Zwar spielt noch immer - trotz besseren Wissens - hier und dort altes
Gedankengut mit, werden Luchse abgeschossen und vergiftet. Wo dem Luchs aber
nicht regelmäßig nachgestellt wird, da zeigt er eine bemerkenswerte Anpassungs-
und Überlebensfähigkeit und vermag durchaus auch in der unmittelbaren
Nachbarschaft des Menschen ein Auskommen zu finden. Er scheut sich nicht, bei
einem Wohnhaus auf Jagd zu gehen, tagsüber in einem Weizenfeld zu ruhen oder
fünfzig Meter neben einem Holzplatz seine Jungen groß zuziehen. So gelingt es
ihm, auch Gebiete zurückzuerobern, aus denen er vormals verschwunden war -
sofern man ihn nur lässt. Insgesamt beurteilen die Fachleute seine Zukunft in
Mitteleuropa recht zuversichtlich. Dies um so mehr, als noch nie ein Luchs einen
Menschen angegriffen hat und somit niemand Angst vor dem Luchs zu haben braucht.
Der Luchs hat eines der weitesten Verbreitungsgebiete aller Katzen, ja sogar
aller Säugetiere. Tatsächlich ist der Luchs gegen das bissig kalte Klima im
Gebirge und im hohen Norden hervorragend gewappnet: Sein Winterfell gehört zu
den dichtesten im Tierreich. Mit seinen hohen Beinen vermag er mühelos selbst
durch 40 bis 50 Zentimeter hohen Neuschnee zu «stelzen». Seine breiten Pfoten
vermindern auf altem Schnee das Kräfte zehrende Einsinken erheblich. Und ein
dichtes Haarpolster auf den Pfotenunterseiten schützt ihn vorzüglich gegen die
Bodenkälte.
In Schweden besteht der Fraß des Luchses hauptsächlich aus kleineren
Schalentieren. Im nördlichsten Teil des Landes ist das Rentier die wichtigste
Beute, während das Reh länger nach Süden überwiegt. Danach kommen als Beutetiere
der Hase und größere Vögel wie Waldhühner. In Schweden machen Rehe oder
Rentiere, Hasen und Waldhühner mehr als 90 % vom Fraß aus. Sporadisch erbeutet
der Luchs auch kleinere Nage- und Raubtiere (Fuchs, Marder, Wiesel und Otter).
Es passiert auch, dass der Luchs Nutzvieh wie Schafe reißt. Sehr selten kann der
Luchs Aas fressen. Ein erwachsener Luchs frisst durchschnittlich 1-2 kg Fleisch
pro Tag und reißt während eines Jahres 30-50 Rehe.
In Mittelschweden erreicht die Brunftzeit ihre Höhepunkt zwischen der Mitte März
und Anfang April während sie in Nordschweden ein paar Wochen später eintrifft.
Im Mai-Juni, etwa 70 Tage nach der Paarung, werden 1 bis 4 Jungen in einem
einfachen Bau geboren. Der Bau kann unter einem umgefallenen Baumstamm oder in
einer Felsenspalte liegen. Wenn die Luchsin auf Jagd geht, werden die Jungen
alleine gelassen, was sie übrigens oft sind. Die Jungen bleiben normalerweise
bei der Luchsin bis die nächste Ranzzeit, wenn sie die Jungen nicht mehr duldet.
Der
Luchs wird während seines zweiten Lebensjahres geschlechtsreif.
Der Luchs lebt alleine. Nur wenn eine Luchsin Jungen hat und während der
Ranzzeit sind mehrere Luchse zusammen, sonst meiden sie andere Luchse. In
Mittelschweden bewegt sich eine Luchsin in einem etwa 300 Quadratkilometer
großen Gebiet, während das Revier eines Luchskaters zweimal so groß ist. In den
Gebirgsgebieten in Nordschweden kann das Revier des Luchskaters bis 1 000
Quadratkilometer groß sein, was vermutlich mit dem Zugang an Beutetieren
zusammenhängt. In welcher Umfassung der Luchs sein Revier gegen Eindringlinge
verteidigt ist nicht klar. Man weißt aber, dass in Skandinavien kann das Revier
eines Katers mehrere Reviere von Luchsinnen überlappen, was die späteren sich
auch gegenseitig machen können. Der Luchs ist meistens nachtaktiv. Er kann ein
oder ein paar Male während der Nacht ruhen, schläft aber sonst hauptsächlich
während des Tages.
Die skandinavische Luchspopulation wird auf etwa 2 000 Individuen geschätzt.
Davon leben etwa 1 500 in Schweden. Der Luchs kommt im größeren Teil von
Schweden mit Ausnahme von den Inseln Öland und Gotland und dem südlichsten Teil
des Landes vor. Das luchdichteste Gebiet (mit mehr als einem Luchs pro 100
Quadratkilometer) gibt in Mittelschweden (von den Provinzen Örebro und Värmland
im Süden bis Västernorrland und Jämtland im Norden). Die 500 bis 700 Luchse in
Norwegen sind fast überall im Lande verbreitet. Während der letzten fünf Jahre
hat man in den schwedischen Rentierweidegebieten eine Reproduktionsverminderung
festgestellt. Gleichzeitig hat man gesehen, dass südlich von diesen Gebieten
gibt es eine Tendenz, dass der Luchs zunimmt.
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