Der Vielfraß
Der
Vielfraß oder Järv (Gulo gulo) ist der Größte Vertreter der Familie der
Marder. In Skandinavien wiegen männliche Vielfraße gewöhnlicherweise zwischen 12
und 18 kg auch wenn sie so viel wie 25 kg wiegen können. Die weiblichen sind
etwas kleiner und wiegen normalerweise zwischen 8 und 13 kg. Die größten
männlichen Vielfraße erreichen eine Widerristhöhe von 35-45 cm und die Länge von
der Schnauze bis zum Rutenansatz ist 80-85 cm. Die Rute ist 25-35 cm lang. Der
Vielfraß hat einen gedrungenen, bärenartigen Körper und weist für seine
Größe enorme Kräfte auf. Selbst Wölfe, Bären gehen diesem mutigen und starken
Raubtier aus dem Weg. Es ist schon beobachtet worden, wie ein Vielfraß einen
Luchs auf einen Baum jagte, ihm nach kletterte und ihn dann mit seinem
kräftigen Gebiss buchstäblich vom Ast herunterriss und ihm den Garaus machte.
Seinen Namen trägt der Vielfraß durchaus zu recht: Er hat einen immensen
Appetit; dauernd ist er auf der Suche nach Essbarem. Mit kurzen,
charakteristischen Mardersprüngen durchstreift er täglich während Stunden sein
Revier und legt dabei viele Kilometer zurück. Was immer er auf seinen
Streifzügen findet oder fangen kann, verschlingt er gierig. Gerne macht er sich
über die Beute anderer Raubtiere her, und auch Aas verschmäht er keineswegs. Oft
plündert er auch Fallen und bricht in Blockhütten von Trappern ein, um sich an
deren Nahrungsmitteln gütlich zu tun. Sein Ruf ist daher in manchen
Regionen nicht der beste.
Der Vielfraß scheint ebenso gut frisches als kräftig verwesendes Fleisch zu
fressen. Er jagt seine eigene Beute aber frisst auch Kadaver, wie z.B. Beuten,
die andere Raubtiere gerissen haben oder Tiere, die an Krankheiten oder Unfällen
gestorben sind. Wenn der Vielfraß so viel Fleisch hat, dass er es nicht
auffressen kann, versteckt er es für späteren Bedarf. In Schweden besteht der
hauptsächliche Fraß während des Winters aus Rentierfleisch. Elche, die von
anderen Raubtieren getötet wurden, machen einen wichtigen Beitrag zum Fraß des
Vielfraßes aus. Während des Sommers besteht ein großer Teil des Fraßes aus
kleineren Beutetieren wie Hasen, Vögeln, Eiern und kleinen Nagetieren.
Die Paarung findet während des Frühlings und Sommers statt. Die meisten
Vielfraße paaren sich im Juni-Juli. Die befruchteten Eier beginnen sich erst im
Januar zu entwickeln. Im Spätwinter sucht das trächtige weibliche Vielfraß eine
geeignete Stelle für ihren Bau. Die Jungen, 2 bis 3, werden im Februar-März
geboren. Die Jungen bleiben bei ihrer Mutter bis im August-September. Die
spätere Forschung zeigt, dass der Vielfraß sich erst bei einem Alter von drei
Jahren oder mehr fortpflanzt. Gewöhnlicherweise bekommt eine weibliche Vielfraß
Jungen jedes zweite oder dritte Jahr, einige noch seltener.
Männliche
Vielfraße haben oft Reviere von 300-500 Quadratkilometern, während die
weiblichen Vielfraße mit Jungen kleinere Reviere von etwa 100 Quadratkilometern
haben. Auch wenn die Vielfraße alleine leben, akzeptieren sie, dass das Revier
von einem Revier des anderen Geschlechtes übergelappt wird. Während der
Sommerzeit können reproduzierende weibliche Vielfraße auch akzeptieren, dass
Reviere, die zu nicht reproduzierenden weiblichen Vielfraßen hören, sich dem
eigenen Revier überlappen. Der Vielfraß ist sowohl tag- als nachtaktiv.
Die schwedische Vielfraßpopulation beträgt bis 275-360 Individuen und kommt in
den vier nördlichen Provinzen: Norrbotten, Västerbotten, Jämtland und Dalarna
vor. In U' Norwegen gibt es 230 - 290 Vielfraße. Drei Viertel davon leben in den
nördlichen Teilen des Landes im Anschluss zur schwedischen Population. Es gibt
auch eine kleinere Population in einem kleinen Gebirgsgebiet in Mittelnorwegen.
Während der letzten fünf Jahren hat man eine 40 prozentige Verminderung der
Reproduktion des Schwedischen Vielfraßbestandes festgestellt.
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